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18.05.2021

Das Aktuelle Medieninterview – Nachfrage nach Qualität und Wirtschaftlichkeit steigt

07.04.2021
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PreMedia Newsletter: 
Lieber Roman, die aktuellen Bedingungen der Corona-Krise erschweren ja persönliche Kontakte enorm. Die Nachfrage nach geprüften Inhalten, auf dessen Qualität sich der Leser verlassen kann, steigt. Wie siehst Du dabei diese Entwicklung?

Roman Minimayr: 
Lieber Karl, leider kann ich dich nicht persönlich willkommen heißen  aber sei dennoch herzlich aus Salzburg gegrüßt, in dieser doch ganz besonderen Zeit. Wie die Überschrift schon verspricht, bewegen sich die wesentlichen Herausforderungen auch in unserer Branche in eine klare Richtung. Diese ist eindeutig und klar Qualität und Vertrauen. Beide Attribute haben mit Orientierung zu tun und prägen damit jene Unternehmen, welche diese mit aller Anstrengung im Blick haben. Qualität erstreckt sich im Wesentlichen auf Inhalt und damit auf gute journalistische Arbeit, Hintergründe, diese zu beleuchten und zu vermitteln, dem Menschen – nicht dem „User“ -  Halt, Erklärung und Orientierungshilfen zu geben. Qualität ist aber auch in der gesamten Unternehmensstruktur ein absolutes Muss. Beginnend beim zwischenmenschlich qualitätsvollen  Umgang unter Kolleginnen und Kollegen, dem Spaß am täglichen Werken, einem Kunden-Service, bei dem Service im Mittelpunkt steht, bis hin zur Qualität im Druck, der Verarbeitung und der Auslieferung. 

PreMedia Newsletter: 
Print ist ja nach wie vor für die Markenführung eines Medienhauses unverzichtbar. Wie sieht es dabei mit der Schnelligkeit des Transportes von aktuellen Inhalten über die digitalen Medienkanäle aus?

Roman Minimayr: 
Natürlich überholen die digitalen Vertriebsschienen bei fast jeder Meldung die Printausgaben, aber eben nur fast! Ich denke, dass jede Information ihren Verbreitungskanal sucht und braucht. Seit vielen Jahren haben wir die Diskussion über Online-first oder Print-First und eigentlich gilt noch immer „News-First“,  denn  jede Nachricht sucht seine Zielmenschen und damit sein Medium. Auch bei uns ist nach wie vor dieser Grundsatz  mit ganz starker Verankerung im gesamten Medienhaus gegeben. Ob es nun die schnelle Information aus der Innenpolitik, das aktuelle Interview, die exzellente, pointierte Karikatur des Tages, das Live-Video-Format „Live und Direkt“ mit spannenden Menschen, oder die Wunschimmobilie für unseren Abonnenten ist – alles findet seinen Interessenten – wenn es mit Qualität gemacht ist. Daher ist es keine Frage von Schnelligkeit – diese setzt jeder Kunde voraus – sondern eine Frage wie und ob die Menschen in Ihrem Lebensbiotop entsprechend versorgt werden.

PreMedia Newsletter: 
Die „Salzburger Nachrichten“ haben ja sehr erfolgreich schon vor Jahren auf Regionalisierung und tiefe Subregionalisierung gesetzt. Sogar die in der Produktion sehr teure Print-Montagausgabe wurde durch ein eigenes Sport-Tabloid-Supplement mit vielen Spielberichten auch in den Unterklassen ausgebaut. Wie sieht die aktuelle Entwicklung dabei aus?

Roman Minimayr:
Bereits vor 25 Jahren haben wir mit der Hybridproduktion begonnen und  eine tägliche Berliner-  und Tabloidausgabe der Tageszeitung kombiniert. Diese Kombination unterstützt die tägliche Lieferung von regionalen als auch nationalen Informationen für unsere Kunden enorm.  
Wie du schon richtig angemerkt hast, ist der „Montag“ sehr speziell in Österreich und dazu kommt natürlich auch der Faktor Umfang und Zeit. Deshalb haben wir diese Info schon vor einiger Zeit wieder vollständig auf die digitale Berichterstattung verlegt – bis März 2020 kam…. Derzeit ist es gerade in diesem Umfeld sehr – sagen wir – abwartend…… Auch dies zeigt, dass Produkte laufend angepasst werden müssen. Ideen die es immer wieder gibt, manchmal einfach zu früh sind und dann nach einigen Jahren wieder als zukunftsweisend auftauchen. 

PreMedia Newsletter: 
Wie weit kann man die Qualität der Inhalte mit schneller Distribution via  Internet  im Sinne von Qualitäts-Controlling vereinbaren?

Roman Minimayr: 
Dies ist sicher eine laufende Herausforderung an alle Beteiligten.  Im Wesentlichen hat es aber  mit den Menschen dahinter zu tun. Digitale Inhalte durchlaufen die gleichen Qualitätskriterien wie gedruckte Inhalte, werden ebenfalls über Systeme mit höchster Verfügbarkeit, tiefer Integration,  versteckter Komplexität und über vernetzte Strukturen an die Empfänger – unsere Kunden – geliefert. Natürlich versuchen auch wir in diesen Prozessen alle notwendigen Dateninformationen, Leserverhalten, Interessen und Ansprüche unserer Kunden dabei zu berücksichtigen. 

PreMedia Newsletter: 
Wie entwickeln sich die Digital-Verkäufe bei den Wochentags-Ausgaben und bei der reine digital erscheinenden SN-Sonntags-Ausgabe?

Roman Minimayr: 
Gut zu sehen, dass die Entwicklung in Richtung „digitale Inhalte haben auch Wert“ schon seit Jahren beim Leser angekommen ist. Wie in manchen befreundeten Verlagshäusern auch, ist der Anteil an bezahlten Digital-Abos durchaus erfreulich und wir können ein gutes Wachstum hier sehen. Das besondere Ausgabeformat für den Sonntag haben wir vor ca. 5 Jahren in unsere Full-App als einer der ersten Verlage integriert. Wesentlich dabei ist, dass das gute alte E-Paper, die „sn.at“ Inhalte, Premiuminhalte und der gesamte ABO-Servicebereich in dieser App im Hintergrund abgewickelt wird. Dies bedeutet, dass über den eindeutigen SingleSignOn (SSO) in Echtzeit mit dem Abo-System sämtliche Aktivitäten freigeschaltet sind – natürlich abhängig von der gewählten und bezahlten Abonnementform. Dies greift natürlich vom Nutzen des Premiuminhalts über unser SN-Shopsystem, bis zur Printurlaubsnachsendung und vielen weiteren „Goodies“ direkt in die entsprechenden Applikationen durch. Als neuestes Produkt haben wir die gesamte Printausgabe der Salzburger Nachrichten von 1945 bis heute digitalisiert und im Archiv für unserer Abonnenten auch in der Online-Volltextsuche zur Verfügung gestellt ….. ein weiteres Bespiel, dass uns auch hier Qualität und Nachhaltigkeit für unsere Kunden enorm wichtig ist.

PreMedia Newsletter: 
Du hast ja viele Anwender-Generationen in der Druckvorstufe, Plattenkopie, Druckmaschinen und Versandraum aktiv begleitet. Welche Entwicklungen siehst Du dabei in den vorhersehbaren 36-48 Monaten?

Roman Minimayr: 
Eine sehr komplexe Frage, die du da wieder einmal für mich hast und da ist schon wieder das „VOR-Denken“ gefragt ( NACHdenken können wir später)  - also es ist ja nichts Neues, dass diese Branche schwer gerüttelt wird und dies schon seit Jahren auch lautstark hinausposaunt – übrigens wie kaum eine andere Branche –  macht sich unsere schlechter als sie ist. Meine Einschätzung ist, dass sich manche Hersteller massiv in ihrer Dynamik verzettelt haben, wesentlich mit sich selbst beschäftigt sind und der Weitblick im Zahlennebel der alten Umsätze verblasst. Wenig Innovation - nicht nur aus Spargründen sondern auch aus  mangelnder Kreativität, den fehlenden „verrückten“ Pioniergeistern und wenig vorhandenen VORdenkern. Vorstellbar sollte doch eine Drucktechnik sein, die mit ganz anderen Materialien arbeitet (auch Flugzeuge werden nicht mehr nur aus Alu gebaut), Versandraumtechnik kann sich mit Logistiktechnik vermischen und wir sollten über Andruckzeiten und Auslieferzeiten nachdenken, da die Produkte ohnehin immer den Wettlauf gegen Digital verlieren – aber trotzdem unverzichtbar sind. Gute Chancen würde ich für ein VORdenkforum mit Menschen aus der gesamten Produktionskette sehen, um gemeinsam neue Wege der Produktionslogistik zu „erspinnen“. 

PreMedia Newsletter: 
Steht aus deiner Einschätzung heraus zu befürchten, dass über viele Jahren die Branche prägende Unternehmen der Software-Branche wie auch aus der Maschinenindustrie aufgeben müssen?

Roman Minimayr: 
Manch ein unkreatives Unternehmen wird wohl auch diese Phase nicht überstehen und ihre bestehenden Kunden leider im Stich lassen. Merger hat es auch immer gegeben, viele positive aber auch viele, die einfach nicht funktioniert haben, da Produkte, Firmenkulturen, Menschen und Ziele oft nicht zusammenpassten. Es werden Unternehmen sicher verschwinden oder sich auf einen Bruchteil reduzieren – siehe Kodak-Film, Sony-CD, Alta-Vista Suchmaschine….,  aber auch kreative kommen. 

PreMedia Newsletter: 
Der Aufbau von Führungsnachwuchs in der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche gerät zunehmend schwierig.  Wie kann diesem Abwärtstrend proaktiv entgegengewirkt werden?

Roman Minimayr: 
Diese Branche braucht einen Imageschub und muss wieder „cool“ werden. Dazu gehört auch die Arbeit mit und für die jungen Generationen. Lesen – auf welchem Trägermedium auch immer -  ist gefordert und muss wieder spannend werden. Viele Aktivitäten, rechtzeitig junge Menschen in die Verlagshäuser zu bringen, sind sicher nicht so schwierig umzusetzen. Pflichtpraktika in den Verlagen, mehr Zusammenrücken zwischen FH/Uni und den Verlagen (Projektarbeiten, Schnupperstudium, Studiumssponsoring – Lernen, Wohnen, Arbeiten -  von Studienbeginn weg oder einfach der Quereinstieg sind nur einige Anregungen, die manche Verlage auch sicher schon erfolgreich umsetzen. 

PreMedia Newsletter: 
Welche Rolle kann Künstliche Intelligenz in welchen Anwendungsbereichen für das Medienhaus der Zukunft spielen?

Roman Minimayr: 
KI ist ja schon lange in allen Köpfen und vieles wird durch diese stetig lernenden Techniken sicher beschleunigt. Generell sehe ich  große Chancen, in vielen Prozessen (z.B. Workflow, Bildqualität, Rechnungslegung, Drucksteuerung, Versandlogistik, Auslieferungsoptimierung, Zustellsteuerung…) neue Lösungen im Zusammenspiel mit IoT (Internet of Things) und M2M (Machine to Machine) zu erzielen. Menschen braucht es allerdings immer noch um gute, kreative und sinnvolle Dinge zu entwickeln. „Wischen ist nicht nachhaltig“  

PreMedia Newsletter: 
Das sind wie in den vielen Jahren zuvor auch sehr wertvolle Einsichten in das Innenleben der Zeitungsindustrie. Deine aktive Zeit bei den „Salzburger Nachrichten“ endet Ende April 2021. Ich danke Dir sehr für unsere immer wieder aufbauenden „Gedankenstürme“ und Gespräche. Den ersten Abschied in Deinen nächsten Lebensabschnitt, weitere werden folgen, feiern wir wie immer im Hotel Friesacher in Anif. Frau Friesacher ist schon vorauseilend davon informiert. Sie wird unserer Feier dann persönlich bei dem herrlichen Grüner Veltliner aus der Wachau beiwohnen. Wir bleiben im Sinne unserer geliebten Zeitungsbranche weiter in Kontakt, bitte!

Roman Minimayr: 
Karl, von wem weißt Du das nun schon wieder? Ich bin 
zu allem bereit, auch für 1-3 Gläser Wein mit Dir, bis bald persönlich.

PreMedia Newsletter: 
Ich habe ja meine Augen und Ohren überall wie Du ja weißt. Danke für Alles, lieber Roman!

Roman Minimayr:
Danke dir auch, lieber Karl für die spannenden Treffen, die vielen guten Ideen, die oft nächtelangen Problemlösungen und freut mich, wenn wir so manchen kreativen Tsunami noch auslösen können!
Dankeschön auch an viele, tolle Wegbeleiter!  
Servus!


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