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07.12.2019

Das Prinzip Zeitung ist gefährdet

18.10.2019
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Karl Malik
AxelSpringer SE stellt die Werktagsausgabe der sehr gut gelungenen „Welt  kompakt“ ein. Eine gut mit viel Herzblut gemachte, auch im Flugzeug, in der Bahn sehr gut lesbare Qualitätszeitung im Tabloid-Format ist damit Vergangenheit. Damit verbunden ist ein Sanierungsprogramm, das AxelSpringer SE 50 Millionen an Einsparungen ermöglichen soll. Ebenso trifft es den Hamburger Regionalteil der „Welt“. Auch das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ verschwindet. Bei „Auto Bild“ und „Computer Bild“ soll es nur noch die Haupttitel sowie Spezialmagazine geben. In Berlin verteilt Springer die Aufgaben seiner Boulevard-Titel: Die „B.Z.“ ist für die regionalen Inhalte zuständig, die sie auch der „Bild“ liefert, andersherum steuert die „Bild“-Redaktion die überregionalen Geschichten für die „B.Z.“ bei. Wie bereits bekannt sollen zudem „Bild“ und „Bild am Sonntag“ zusammenwachsen. Insgesamt will Springer bei seinen deutschen Nachrichtenmedien 50 Mio Euro sparen. Die Einsparungen gehen wie erwartet einher mit einem nicht genau bezifferten Personalabbau in Verlag, Redaktion sowie der Vermarktung. Neben Vorruhestandsregelungen will Springer freiwillige Abspringer durch Abfindungs-Angebote finden. Neben den Sparmaßnahmen gibt es auch Investitionen: In den kommenden drei Jahren will Springer insgesamt 100 Mio Euro investieren, insbesondere in Live-Video.
Ein Zeichen für den sich beschleunigenden Niedergang der freien Zeitungsmedien? Oder vorrangig der Neuausrichtung bei AxelSpringer SE als ehemaliges führendes deutsches Zeitungshaus zum Mediawarehouse zuzurechnen?
Fraglos - die Zeitung hat ihre Chance, auch die Zukunft mit der so wichtigen Wächterfunktion freier Demokratien und der Wirtschaft positiv und kritisch begleiten zu können. 
Die Zeitungsbranche mit all Ihren Protagonisten wirkt verzagt, gelähmt, bestenfalls zuwartend. 
Die daraus resultierenden Folgen sind seit geraumer Zeit erkennbar. Fusionen mit anderen Verlagen, Verkäufe und Konzentration im Druckbereich sind notwendige, leider rein defensive, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit geborene Maßnahmen.
Warten auf Was  eigentlich?
Die Inflation an Kongressen, Messen für die Zeitungs- und Zeitschriftenmedien inklusive deren digitalen Derivate bietet dabei kaum Orientierung. Das krampfhafte Bemühen, digitale Inhalte mit vielfältigen Angeboten einigermaßen profitabel zu gestalten, ist - mit wenigen Ausnahmen wie dem englischen „The Guardian“, dem „Wall Street Journal“ oder der norwegischen Schibsted-Gruppe kaum erfolgreich.
Ohne die Kernmarke Print und deren eingeführer Bezahlangebote im Vertrieb, Anzeigen- wie Verlagsmarketing sind diese Digitalangebote nicht überlebensfähig.
Die größte Gefährdung der Zeitungs- und Zeitschriftenmedien ist jedoch, dass der Nachwuchs für Redaktionen, Verlage und der Technik spürbar fehlt. 
Und da gilt es anzusetzen: Die Marktstellung der Zeitung durch qualitative Lese- und Vermarktungsangebote proaktiv auf den Medienkunden zugeschnitten weiter auszubauen. Junge Menschen von der Faszination der Zeitungs- und Zeitschriftenmedien zu überzeugen. Erweiterte Geschäftsmodelle rund um die vorhandene Logistik der Medienhäuser aufzubauen und zu vermarkten. 
An einer frühzeitigen, gezielten Förderung von Nachwuchs-Führungskräften führt dabei kein Weg vorbei.
Ihr
Prof. Ing. Karl Malik - Karl.Malik@premedianewsletter.de

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